Wieso solltest du dir eine Farbpalette erstellen?
Eine gut gewählte Farbpalette ist entscheidend für den Erfolg deiner Website. Dein Farbkonzept geht weit über das visuelle Erscheinungsbild hinaus und trägt maßgeblich zur Markenwiedererkennung bei.
Durch den gezielten Einsatz von Farben, die deine Marke und Werte widerspiegeln, schaffst du eine sofortige, emotionale Verbindung mit deinen Besuchern. Dies fördert nicht nur die Wiedererkennung deiner Marke, sondern auch das Vertrauen und die Loyalität deiner Zielgruppe. Für dein Farbkonzept spielt die Farbpsychologie eine wesentliche Rolle.
In diesem Artikel gebe ich dir einen Überblick, wie Farben im Business-Kontext in aller Regel wirken und zeige dir, mit welchen Tools du eine Farbpalette erstellen kannst.
Farbpsychologie: Was Farben für dein Branding bedeuten
Bevor wir daran gehen, und eine Farbpalette erstellen wollen, lass uns kurz in die Farbpsychologie eintauchen. Farben sind erstmal Geschmackssache – wem kein Rot gefällt, wird keinen roten Mantel tragen. Aber unabhängig davon, was uns gefällt und was nicht, üben Farben eine starke und oft unbewusste Wirkung auf uns aus.
Dass Rot dabei der Spitzenreiter ist, weiß jeder, denn Rot bedeutet Blut, und wo Blut fließt, da droht Gefahr. Bei Rot läuten daher alle Alarmglocken. Aber auch andere Farben sind starke Signalfarben, etwa Gelb in Kombination mit Schwarz oder ein giftiges Grün. Tausende Jahre in der Natur haben uns das ins Stammhirn eingeschrieben.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde den Farben vieles an Bedeutungen zugeschrieben. Was wir über Farben denken, ist daher – abgesehen von den Warnungen aus dem Stammhirn – vor allem kulturell beeinflusst und daher auch weltweit unterschiedlich.
Bevor wir eine Farbpalette erstellen, gebe ich dir einen Überblick über die gängigsten Farben im Business-Kontext und welche Bedeutung ihnen zugeschrieben wird:
blau
Blau vermittelt ein Gefühl von Zuverlässigkeit und Loyalität, ein Wert, den viele Marken vermitteln möchten. Blau ist die am meisten verwendete Farbe im Corporate Business Bereich.
rot
Rot ist eine Signalfarbe – wir verbinden mit ihr Blut oder Feuer. Rot ist eine kräftige Farbe, die zeigt, dass du keine Angst hast, eine mutige Aussage zu machen.
grün
Wir sehen Grün, neben dem Blau des Himmels, mehr als jede andere Farbe, weil sie uns in der Natur umgibt. Mit Grün signalisierst du Gesundheit, Frische und Wachstum.
violett
Violett ist eine faszinierende Farbe, die für Unabhängigkeit und Weisheit steht. Für kreative, fantasievolle, und mysteriöse Marken ist sie die richtige Wahl.
schwarz
Schwarz ist eine zeitlose Farbe. Schwarz zeigt normalerweise, dass eine Marke formal, elegant und klassisch ist.
weiss
Weiß ruft Gefühle der Erneuerung hervor. Eine Marke, die viel Weiß verwendet, zeigt, dass es eine einfache, moderne und saubere Marke ist.
grau
Grau ist eine coole und neutrale Farbe. Je nachdem welche Schattierung du wählst, musst du auf keinen Fall eine „graue Maus“ sein, sondern kannst sehr raffiniert und zeitlos wirken.
gelb
Gelb schafft Aufmerksamkeit und regt den Geist an. Gelb zeigt, dass du mutig, optimistisch und selbstbewusst bist.
orange
Orange ist eine verspielte Farbe, die Energie und Glück hervorruft. Perfekt für eine lustige und freundliche Marke.
rosa
Rosa ist eine vielseitige, nicht nur feminine Farbe. Während kräftiges Pink modern und jugendlich wirkt, sorgt Altrosa für einen romantischen, luxuriösen Auftritt.
braun
Braun ist eine geerdete Farbe, die eine organische und gesunde Atmosphäre vermittelt. Braun vermittelt Wärme und Zuverlässigkeit.
türkis
Türkis ist eine Farbe, die Mitgefühl vermittelt. Mit Türkis signalisierst du, dass du kreativ und sympathisch bist, und man dir vertrauen kann.
Farbpalette erstellen für mehr Wiedererkennung
Nach dieser Einführung in die Farbpsychologie wollen wir deine Farbpalette erstellen.
Sagen wir, du fühlst dich mit Grün als Hauptfarbe wohl. Gesundheit, Frische, Wachstum. Geritzt. Grün passt einfach zu dir. (Lies auch meinen Blogartikel, wie du passende Farben für dein Branding findest.)
Der Haken: Grün ist nicht gleich Grün. Es gibt tausend verschiedene Varianten. Und so experimentierst du herum. Letzte Woche oliv, heute erbse, und morgen moos? Ganz zu schweigen von den unzähligen tollen Vorlagen in Canva, die du am liebsten alle ausprobieren möchtest!
So gut ich dich verstehen kann, aber ich rate dir dringend von Farbexperimenten ab. Eine der Hauptaufgaben eines guten Brand Designs ist die Wiedererkennbarkeit. Mannerschnitten. Milka. Fanta. Du hast sofort eine Farbe im Kopf.
Nicht nur Konsumgüter machen das, auch Personal Brands. Nimm z.B. die isländische Business-Coach Sigrun: sie kleidet sich hauptsächlich in Rot und auch ihre gesamte Website ist in diesem satten Rot-Ton gehalten. Oder Caroline Preuss, bekannt geworden als Instagram-Coach, führt heute eine Consulting-Agentur fürs Online-Business. In ihrem Instagram-Zeiten fiel sie mit einer schrillen Gelb-Pink-Kombination auf. Das auffällige Gelb hat sie beibehalten, das Pink ist mittlerweile eine zarten Alt-Rosa gewichen.



Du siehst also, Farben bringen dir Wiedererkennbarkeit. Und ich nehme da hier bewusst die Mehrzahl, weil ich denke, dass mehrere Farbschattierungen einem Design mehr Tiefe verleihen. Genauso wirkt ein Design mit zwei Schriften besser als nur mit einer einzigen. Lies auch meinen Blogartikel, wie du deine Schriften findest und miteinander kombinierst.
Wenn du einmal deine Farbpalette erstellt hast, und dich dann auf deiner Website, deinen Drucksorten, beim Erstellen von Grafiken für Social Media usw. an dein Farbkonzept hältst, dann passt auch alles zusammen. Versprochen.
Die richtigen Farben sind also ein wichtiger Eckpfeiler für gelungenes Brand Design.
Beispiele für eine Farbpalette
Beim Farbpalette erstellen geht es zwei Dinge:
- zu zeigen, welche Farben verwendet werden,
- und zu zeigen, wie diese gewichtet sind.
Für meine Kunden erstelle ich eine Farbpalette meist mit fünf Farben, weil das die wichtigsten Einsatzbereiche abdeckt und meiner Erfahrung nach harmonisch wirkt.


Farbpalette Bsp 2

Farbpalette Bsp 3
Bsp 1: Diese Farbpalette vereint kräftiges Orange mit kühlen Blau- und Petroltönen, ergänzt durch gebrochenes Weiß. Sie wirkt modern, dynamisch und harmonisch. Das Orange vermittelt Energie und Innovation, während die Blautöne Vertrauen und Professionalität ausstrahlen. Dieses Farbkonzept wäre ideal für Coaching, Tech-Startups, oder Interior Design.
Bsp 2: Die Farbpalette kombiniert sanftes Rosa, frisches Türkis und elegante Grautöne mit weichen weißen Akzenten. Sie wirkt beruhigend, modern und harmonisch. Diese Palette eignet sich für Marken in der Mode, Schönheitspflege, Wellness oder Interior Design. Dieses Farbkonzept wäre ideal für Bereiche, die eine ruhige, einladende Atmosphäre schaffen wollen, wie z.B. Hotels, Resorts oder Wellbeing-Produkte.
Bsp 3: Diese Farbpalette vereint warme Ocker- und Grüntöne mit erdigen Grautönen und sanften Beige-Nuancen. Sie wirkt ausgewogen, natürlich und edel. Dieses Farbkonzept wäre ideal für Naturprodukte, den Bereich Nachhaltigkeit, und hochwertiges Handwerk. Sie vermittelt ein Gefühl von Stabilität, Qualität und Eleganz und passt gut zu umweltbewussten und handwerklich orientierten Unternehmen.
Farbpalette erstellen: Schritt für Schritt
Mit 3 (+2) Farben eine Farbpalette erstellen
Du möchtest eine Farbpalette erstellen? Dann solltest du mindestens drei Farben für eine Mini-Farbpalette, oder eine etwas größere mit fünf Farben aussuchen. Für den Einstieg ist das Canva Color Wheel gut geeignet, das ist kostenlos und sehr einfach zu bedienen.

Wenn du eine Farbpalette erstellen möchtest, gehe in dieser Reihenfolge vor:
Schritt 1: Eine dominierende Farbe
Wähle zuerst eine Farbe, die dir gefällt und die dein Business gut repräsentiert. Weiter oben habe ich dir schon einen groben Überblick über die Farbpsychologie gegeben. Deine Hauptfarbe sollte dir und deinen Grundwerten entsprechen. Diese Farbe wird am meisten in Erinnerung bleiben, denn du wirst sie für ca. 60% deines Designs verwenden.
Schritt 2: Eine sekundäre Farbe
Als Nächstes suchst du eine Farbe aus, die die erste Farbe kontrastiert oder ergänzt. Diese kann entweder im Farbkreis auf der anderen Seite liegen (Komplementärfarbe = maximaler Kontrast), oder die erste in einer anderen, subtilen Art komplettieren. Denke dabei auch daran, welche Gegensatzpole deinem Charakter entsprechen, dann kannst du hier einen wirkungsvollen Bogen spannen. Die sekundäre Farbe wirst du für ca. 30% deines Designs verwenden.
Schritt 3: Eine Akzent-Farbe
Der nächste Schritt im Farbpalette erstellen ist eine Akzent-Farbe. Diese Farbe wird nur ca. 10% deines Designs ausmachen. Du kannst sie z.B. für Buttons verwenden, die besonders herausstechen sollen. Stell es dir wie beim Einrichten deiner Wohnung vor – die Akzent-Farbe sind z.B. die farbigen kleinen Kissen auf deinem Sofa.
Bonus-Schritt 4: Eine helle Farbe
Die zwei zusätzlichen Farben 4 und 5 sind nicht unbedingt notwendig. Sie unterstützen einfach die Ausgewogenheit deines Farbkonzepts und werden für Elemente verwendet, die nicht im Rampenlicht stehen müssen. Eine ergänzende helle oder neutrale Farbe kannst du z.B. für Hintergrundflächen einsetzen.
Bonus-Schritt 5: Eine dunkle Farbe
Eine dunkle Farbe, so du noch keine hast, komplettiert deine Farbpalette. Du kannst sie z.B. für Fließtext verwenden, da wird viel zu oft einfach Schwarz genommen. Das muss echt nicht sein 🙂 Wähle diese dunkle Schattierung also so, dass man damit gut einen Text lesen kann.
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Hol dir hier meine Anleitung, wie du deine Botschaft formulierst, dich von anderen abhebst und so Interessenten für dich gewinnst.
Tools, die dir beim Farbpalette erstellen helfen

Canva Color Wheel
Wenn ich für meine Kunden eine Farbpalette erstellen soll, beginne ich sehr gerne mit dem Canva Color Wheel. Es ist ein sehr einfach zu bedienendes Tool. Du suchst dir aus dem Farbkreis eine Farbe aus. Den Farbcode zeigt er im Feld rechts an. Standardmäßig ist als Farbkombination der Modus „Complementary“ (also Komplementärfarbe) ausgewählt.
Im Dropdown hast du noch andere Optionen. „Monochromatic“ spielt dir eine Farbschattierung deiner ersten Farbe aus, also minimal heller/dünkler. „Analogous“ spielt dir im selben Farbspektrum drei zusammenpassende Töne aus. „Triadic“ sind drei Farbtöne in einem gleichmäßigen Dreieck im Kreis, also durchaus sehr kontrastreich. Und „Tetradic“ sind gleich vier Farbtöne.
Ich persönlich habe die beiden letzten Varianten noch nie gebraucht – das ist mir dann oft zu bunt, und ich nehme da andere Tools, wie Color Space, um das für mich anders abzustimmen.

Coolors
Das Online-Tool Coolors richtet sich an experimentierfreudige Farbsuchende. Es bietet dir dabei zwei Varianten: entweder aus einer Farbpaletten-Bibliothek wählen (die du dann auch bearbeiten kannst), oder direkt deine eigene Farbpalette erstellen.
Starte entweder mit einer zufällig generierten Palette oder baue deine Farben von Grund auf. Mit einem Klick auf die Leertaste wechselst du zwischen verschiedenen Farbtönen und findest schnell die perfekte Kombination. Du kannst Farben sperren und den Rest anpassen, bis deine Palette genau passt.
So kannst du mit Coolors deine Farbpalette erstellen:
- Starte das Online-Tool: Gehe auf die Coolors-Website und klicke auf „Start the Generator“, um eine zufällige Palette zu erstellen.
- Farben anpassen: Drücke die Leertaste um neue Farben zu generieren, oder klicke auf eine Farbe, um den Farbton manuell zu ändern. Du kannst den Farbcode eingeben oder den Farbkreis verwenden.
- Farben sperren: Wenn dir eine Farbe gefällt, klicke auf das Schloss-Symbol neben der Farbe, um sie zu fixieren. So bleibt sie unverändert, während du die anderen Farben anpasst.
- Palette speichern: Wenn du zufrieden bist, klicke auf „Save“ oder exportiere die Palette in Formaten wie PNG oder PDF, um sie direkt in deinem Projekt zu verwenden.
- Teilen: Wenn du willst, kannst du deine Palette auch mit anderen teilen, indem du den Link kopierst oder sie in sozialen Netzwerken veröffentlichst.

Color Space
Das Online-Tool Color Space ist schon komplexer als Canva. Hier brauchst du um beginnen zu können den Farbcode deiner Hauptfarbe. Der Code besteht aus einer Raute und einer 6stelligen Buchstaben-Ziffernkombination und nennt sich HEX-Code. Zu dieser Ausgangs-Farbe spielt dir das Tool dann 25 Farbpaletten heraus. Manche dieser Kombinationen finde ich zugegebener Maßen echt scheußlich 🙂 – und zwar unabhängig von der Ausgangsfarbe.

Colormind
Ganz anders als die beiden oben genannten geht Colormind vor. Dieses Online-Tool nimmt nicht deine gewählte Farbe als Ausgangsfarbe, sondern schlägt dir gleich ein paar Kombinationen vor, die du dann beliebig anpassen kannst. Es ist quasi mehr eine Farbpaletten-Bibliothek.

Canva Color Palettes
Eine Farbpaletten-Bibliothek bietet auch Canva Color Palettes. Hier allerdings kannst du die Farben nicht mehr anpassen. Du kannst sie auswählen, und mit einem Click den Farbcode kopieren.

Color Palette Generator
Vielleicht hast du aber auch ein Bild, das dir von der Farbstimmung gefällt? Dann kannst du das beim Canva Palette Generator hochladen, um daraus deine Farbpalette erstellen zu lassen.
Für dich zum mitnehmen:
- Farben tragen maßgeblich zur Wiederkennung bei. Nimm also auf keinen Fall „irgendein Grün“, sondern erstelle dir eine Farbpalette, und arbeite dann ausschließlich mit diesen Tönen.
- Beginne mit einer Farbe, die du gerne magst, und die dein Business repräsentiert. Wenn du eine Farbpalette erstellen möchtest, solltest du eine Farbe im Kopf haben und um diese herum dein Farbkonzept kreieren.
- Wenn du deine Farbpalette erstellt hast, sei konsequent bei deiner Farbwahl. Nutze dazu den Farbcode (HEX-Code, erkennbar an der #Raute), den jede Farbe hat.
Neben den Farben ist ein Logo ein wichtiger Bestandteil deines Designs. Du hast noch keines? In meinem Artikel „Du brauchst kein Logo…“ verrate ich dir, auf welche wirkungsvollen Design-Elemente du stattdessen setzen kannst.